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Pyranha S6-200 im Fahrtest
geschrieben von Nils Kagel, erstellt am 12.03.2002
Fahrbericht Pyranha S6-200
Von Nils Kagel

Stummelboote liegen im Trend und so habe ich es mir nicht nehmen lassen, eines von ihnen auf Herz und Nieren zu testen. Und hier ist nun mein persönlicher, rein subjektiver Eindruck.


Nils in der Luhewalze bei Garstedt

Die erste Frage, als ich den S6 das erste Mal auf der Messe sah, war natürlich: Passe ich da überhaupt rein? Umso überraschter musste ich feststellen, daß es mit Schuhgröße 47 und Innenbeinlänge 90 cm tatsächlich ohne weiteres funktioniert, wenn man die herausnehmbare Plastikstütze im Bug entfernt. Auch ansonsten sitzt es sich recht bequem. Trimmbarer Sitz und verstellbare Schenkelstützen sind ja mittlerweile Standard. Auch der Rückengurtstrammer mit soliden Ratschen hat sich in anderen Booten bereits bewährt.

Pyranha will demnächst ein verbessertes Sitzsystem mit Gurten anbieten, das sich jedoch derzeit noch in der Erprobungsphase befindet. Die Hüllen aller Pyranhaboote werden neuerdings aus einem PE namens "Metalite" gefertigt, das tatsächlich leichter und steifer als das alte PE ist. Interessant ist beim S6 die Form des Rumpfes. Das Unterschiff besitzt in der Mitte einen breiten und flachen Bereich, während die beiden äußeren Drittel zu den Enden hin einen deutlichen Kielsprung aufweisen. Das Hinterschiff läuft in einem ausgeprägten Swallowtail aus, das laut Hersteller die Surfeigenschaften verbessern soll. Im Oberschiff befinden sich zudem vorne und hinten zwei gewaltige Dellen im Oberschiff, die dem S6 zu mehr "Air" verhelfen sollen. Beeindruckend ist aber vor allen Dingen das Volumen von sage und schreibe 210 Liter auf 200 cm. Beste Voraussetzungen also, daß ich mit meinen 96 Kilogramm nicht gleich untergehe.


am Cracauer Wasserfall - 200m breiter Playspot

Gestestet habe ich den S6 an diversen Spielstellen in Norddeutschland, so in der Luhewalze bei Garstedt, auf der Travewelle bei Bad Oldesloe, an der Mellingburger Schleuse in Hamburg und am Cracauer Wasserfall in Magdeburg. Eine schicke Welle wie in Kuchl stand mir allerdings nicht zur Verfügung.

Bewegt man den S6 zunächst einmal nur vorwärts, so fällt auf, daß er gar nicht mal so langsam ist. Auch das nervige Saugen am Heck ist, vielleicht dank des Swallowtails, kaum zu spüren. Das Rollen ist nicht so einfach, wie man es vermuten würde. Das leicht konkave Oberschiff und die nicht geringe Breite erfordern einen sauberen Hüftknick. In der Walze verhält sich das Boot zunächst wie andere Flachbodenschüsseln auch. Einfaches Kreiseln und eine stabile Walzenlage erleichtern den Set-up. Mit einem sauberen Doublepump läßt sich der S6 ohne Probleme auf die Spitze bringen. Er ist jedoch aufgrund seines Volumens und der hochgezogene Enden kein Autowheeler. Für Vorwärtsloops sollte man sich den Sitz etwas weiter nach vorne trimmen, da man den Bug sonst schwer herunter bekommt. Dafür bleibt das Boot stets an der Oberwasserfläche und das ist gerade bei flachen Walzen keine schlechte Eigenschaft. Wie alle Boote der Stummelklasse steht der S6 nicht gerade stabil in der Vertikalen und erfordert daher eine sehr aktive Walzenarbeit mit viel Gefühl. In großen Walzen kann das manchmal schwierig werden. Deshalb eignet sich der S6 eher für kleine bis mittlere Walzen mit weniger Druck.


In der Luhewalze - Gifanimation (800kb)

Zu den Welleneigenschaften des S6 kann ich sicherlich kein allzu objektives Urteil abgeben, da mir, wie gesagt, der entsprechende Spot fehlt und das Boot aufgrund meines hohen Gewichtes nicht besonders gut aufschwimmt. Trotzdem erschienen mir die Gleiteigenschaften selbst auf kleinen, relativ langsamen Wellen zufriedenstellend. Der S6 läßt sich schön aus der Hüfte heraus carven und sticht aufgrund des Kielsprungs weder im Vorwärts- noch im Rückwärtssurf ein. Dies ist besonders bei schmalen Wellentälern ein großer Vorteil. Das Spinnen empfand ich als einfach, obwohl man auch hier auf die richtige Sitztrimmung achten sollte. Bei Blunts, sofern ich sie mal richtig hinbekomme, geht der S6 recht weit aus dem Wasser, wobei allerdings zuvor eine gewisse Geschwindigkeit aufgebaut werden muß. Aireals & Co sollen, glaubt man einigen Fahrberichten auf anderen Internetseiten, ziemlich gut funktionieren. Ich selber muß wohl noch etwas üben.

Insgesamt gesehen habe ich mit meinem S6-200 schon eine Menge Spaß gehabt. Seine ausreichenden Volumenreserven machen ihn besonders für schwerere Fahrer interessant und erlauben es Normalgewichtigen, ihn u.U. auch als Riverrunner einzusetzen. Leichte und kleinere Fahrer sollten besser auf das kürzere Modell S6-190 zurückgreifen. Ansonsten birgt das Boot ein erhebliches Potential beim Erlernen neuer Moves in Welle und Walze, wodurch es sich auch für fortgeschrittene Rodeonovizen eignet.

Technische Daten:
Länge: 200cm
Breite: 67cm
Volumen: 210liter
Gewicht: 14,4kg

Preis: 1099.-EUR weitere Infos bei Kanu-Treff Augsburg

Nils Kagel
Photos by Jan-Peter & Friends

 

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