Erste Testfahrten mit dem Prijon Hercules
Ein Wildwasserboot für große und schwere Leute: Das scheint eine Marktlücke
zu sein, die nach den Beiträgen im Soulboater-Forum wie auch in anderen Paddelpublikationen
so schnell wie möglich geschlossen werden sollte.
Viele große und schwere Paddler sind es leid, sich in zu enge und für
ihre Gewichtsklasse niedrigvolumige Creekboote zu zwängen, die dadurch
zwangsläufig zum Sicherheitsrisiko werden.

Der Prototyp des neuen Prijon Hercules

Die Firma Prijon macht endlich Nägel mit Köpfen und entwickelt einen
Wildwasser-Allrounder ausschließlich für große Paddler mit
entsprechend hohem Kampfgewicht. Während mit dem erst vor kurzem auf den
Markt gebrachten Cross schon laut eigenen Aussagen ein großer Wurf gelungen
ist, könnte das neue Big-Volume-Boot im wahrsten Sinne des Wortes zu einem
richtig großen Wurf werden.

Um den Prototyp des "Hercules" in der Praxis zu testen, nahm ich
den "Erlkönig" für zwei Wochen mit nach Osttirol, um auf
Drau, Isel und Möll damit zu paddeln und mögliche Schwächen noch
vor Beginn der Serienproduktion herauszufinden. Mit meinen 100 kg Gewicht und
knapp 2 Meter Körperlänge bin ich schließlich genau der Prototyp
für die Zielgruppe der Wildwasserfahrer, für die dieses Boot gebaut
werden soll.

Mein erster Eindruck: Ein riesiges Schiff, wenn es neben einem herkömmlichen
Creeker liegt. 2,70 Meter Länge und über 300 Liter Volumen wirken
optisch einfach sehr groß, sind es im Wildwasser dann aber gar nicht so
sehr, alles ist eben relativ. Ein großes Cockpit und sehr gute Rückenfreiheit
geben ein gutes Sicherheitsgefühl, dass im Ernstfall ein schneller Ausstieg
möglich ist und das Boot sich sehr leicht rollen lässt.

Nach einer ersten Fahrt auf der Isel bin ich begeistert: Das Boot läuft
wie auf Schienen in Kehrwasser, scheint über Walzen zu schweben und hat
Platz, viiiel Platz. Endlich einmal kein enger Fußraum, endlich einmal
keine Probleme mit einem absaugenden Heck in Verschneidungszonen. Trotzdem ist
es agil, surft gut auf den Spielwellen und ist insgesamt sehr wendig. Von Trägheit
aufgrund der grossen Masse keine Spur.

Schwächen zeigen sich dann natürlich auch nach einigen Fahrten, so
läßt sich das Boot aufgrund seiner Länge schlecht Boofen, es
gibt den berühmten "Walzenschlag" wenn das Heck auf die Abbruchkante
aufschlägt. Das Boot könnte gerne 20 cm kürzer und sogar ein
wenig schlanker und weniger voluminös sein, aber um so etwas herauszufinden,
habe ich es schließlich mitgenommen.

Nach 2 Wochen intensiven Paddelns steht für mich fest: Dieser Prototyp
ist das beste Wildwasserboot, mit dem ich bisher gefahren bin. Es ist kein reinrassiger
Creeker, sondern ein Boot für einen breit gestreuten Einsatzbereich, das
voll auf die Wünsche großer und schwerer Paddler abgestimmt ist.

Nach dem Feedback-Gespräch mit Prijon sollen die oben erwähnten Schwächen
gleich abgestellt werden, d.h., das Boot wird im Volumen insgesamt noch etwas
schrumpfen und die Länge wird um ca 15 cm zurückgenommen. Auch das
Cockpit wird noch etwas verlängert, um einen sicheren Ausstieg für
Langbeiner zu gewährleisten.

Ich bin davon überzeugt, dass dieses Boot großen und schweren Paddlern
einen völlig neuen Spass am Wildwasserfahren auf steilen, gefällestarken
Bächen bieten wird.
Jan-Peter
Fotos von Frank Bonnmann
Prijon: www.prijon.com
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