| Fahrbericht Grabner Jump
- Der Grabner Jump kommt mit den regulären Maßen eines Creekers daher. Bei 245cm Länge und 69cm Breite hat er ordentlich Volumen. Optisch wirkt die Form recht einfach gehalten aber interessant. Vorne hat der Jump einen kurzen kräftigen Rocker, ansonsten wirkt er etwas kastenförmig.

Wie bei einem PE Wildwasserboot ist auch der Jump mit Prallplatte, Sitz, Rückenlehne und Seitenfittings ausgestattet. Lediglich die fehlenden Schenkelstützen in Verbindung mit einer engen Knieposition irritieren am Anfang etwas. Die beiden Griffschlaufe vorne und hinten machen einen soliden Eindruck. 5 separate Luftkammern mit Sicherheitsventilen machen den Jump quasi unsinkbar.
Der Aufbau erfolgt intuitiv. Wenn man das Boot einmal aus dem Packsack geholt hat, ergibt sich der Rest eigentlich von selber. Nachdem die Prallplatte und die Rückenlehne im Bootsinnern eingehakt sind, kann man mit dem Aufpumpen beginnen. Die Ventile der 5 Luftkammern sind leicht zugänglich und gut zu bedienen. In weniger als 5 Minuten ist das Boot aufgebaut und einsatzbereit. Prallplatte und Rückenlehne lassen sich mittels eines Clipsystems schnell und einfach einstellen. Die Rückenlehne kann ebenfalls nach belieben mit Luft befüllt werden.

Auf dem Weg zum Wasser fällt das relativ geringe Gewicht von nur 18kg auf. Die Standard Keyhole-Spritzdecken passen gut auf die Luke. Durch zusätzliche, seitlich angebrachte Keder gestaltet sich das aufziehen aber ein wenig fummelig.
Im Flachwasser fällt zunächst die hohe Geschwindigkeit und Spurtreue auf. Aber auch Richtungswechsel gehen leicht und ohne großen Kraftaufwand von der Hand. Bei der Rolle muss man hier schon mehr aufpassen. Durch seine wuchtige Erscheinung muss man hier deutlich mehr Kraft aufwenden und auch die enge Knieposition wirkt sich hier nicht gerade positiv aus.

Im Wildwasser vermittelt der Jump ebenfalls einen guten ersten Eindruck. Er fährt sich spritzig und zieht hervorragend ins Kehrwasser. Auch boofen geht leicht von der Hand. An der Steifigkeit des Gummiboots gibt es nichts auszusetzen.
Lediglich bei Seitenwasser reagiert der Jump etwas giftig. Die tief angesetzte starke Kante macht ihn hier etwas anfällig.

Nach Abfällen taucht der Jump schnell und kontrolliert auf. Auffällig ist aber, dass das Boot beim Steinkontakt enorm abgebremst wird. Ein Boof über einen Stein gestaltet sich so schwierig da beinahe die gesamte Geschwindigkeit verloren geht.
Wegen des schwierigen Rollverhaltens tun sich insbesondere Anfänger leider etwas schwer. Selbst auf Wellen lässt sich der Jump durch sein flaches Unterschiff gut manövrieren. Einer kurzen Surfeinlage steht also nichts im Wege.

Die Verarbeitung wirkt sehr solide. Nach zwei Wochen hartem Testeinsatz sind am Testboot kaum Gebrauchsspuren zu erkennen. Das von Grabner verwendete Material 1100 dtex hat seine Haltbarkeit bereits schon bei vielen Rafts unter Beweis gestellt. Zusätzlich ist die untere Luftkammer im vorderen Bereich verstärkt.

Fazit: Alles in allem lässt sich der Jump im leichten und mittelschweren Wildwasser gut bewegen. In der Ausstattung muss man sicherlich einige Abstriche im Gegensatz zum PE-Boot hinnehmen, dafür hat der Jump natürlich große Vorteile beim Transport. Laut DIN-Norm ist der Jump bis 90kg Zuladung zugelassen. Das optimale Fahrergewicht wird aber wohl eher im Bereich von 70-100kg liegen. Der Jump spielt auf Fernreisen seinen größten Vorteil aus: kein anderes Wildwasserkajak hat so geringe Packmaße und lässt sich so komfortabel transportieren und lagern. Großer Wehrmutstropfen ist der hohe Preis von 1950€.
Testrevier: Korsika Testfahrer: Christoph Vogels, Wildwasser seit über 15 Jahren, 185cm, 90kg
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