| Oker – Ein Baum liegt im Weg
Bäume im Wildwasser können für Paddler gefährlich werden. Besonders, wenn sie an Stellen liegen, die schlecht einsehbar sind und trotzdem auf Sicht gefahren werden. Liegt ein „neuer“ Baum an einer Stelle, die sonst immer problemlos und deshalb ohne vorhergehende Besichtigung befahren wird, kann es schnell zu einer heiklen Situation kommen.
Beispiel Harz: Im Frühjahr war in einen schweren Abschnitt der Oker im Harz eine Birke gefallen. Da die Oker zu den meistgepaddelsten Bächen Deutschlands gehört, wird sie von vielen Paddlern immer wieder befahren.
Der Baum lag über zwei Drittel der Flussbreite und war für den ohne Besichtigung runterfahrenden Kajaker eine wirklich gefährliche Bedrohung, weil das Hauptwasser voll durch das Geäst zog und nur auf der rechten Seite eine kleine Möglichkeit zur gefahrlosen Befahrung offenließ.
 Ein erschöpfter Schwimmer kriecht an Land
Im Soulboaterforum wurde explizit vor dem Baum gewarnt!
Dieser Baum hing über einen Monat an der Stelle, keiner der regelmäßig dort fahrenden Okerlocals hielt es für nötig, ihn mal rauszusägen und damit eine eventuelle Todesfalle zu entschärfen.
Als ich mal wieder an der Oker war und von oben einen Blick auf die Stelle warf, wo sich immer noch nichts verändert hatte, sah ich gerade einen Paddler alleine ohne Sicherung durch das Geäst gezogen werden, weil er die Stelle natürlich nicht angesehen hatte.
Wegen des Baumes völlig aus der Bahn geworfen, wurde er in der folgenden Walze derart aufgemischt, dass er nur noch mit letzter Kraft schwimmend das Ufer viel weiter unten erreichen konnte und auch dort nur mit Unterstützung von anderen Paddlern an Land gebracht werden konnte? MÜSSEN solche Sachen passieren???
Wir sind dann mit Säge und Wurfsack durch den Fluss auf die andere Seite gewatet und haben den Baum abgesägt und kontrolliert in den nachfolgenden Stausee abschwimmen lassen, wo er für Wildwasserfahrer nicht mehr zur Gefahr werden kann.


 Abschwimmen der Baumreste
Die Aktion hat uns insgesamt 20 Minuten Zeit gekostet, die wir natürlich weniger zum Paddeln hatten, aber das war es uns allemal wert.

 Was man so braucht
Ich frage mich in letzter Zeit immer häufiger, ob Paddler nur noch an sich denken, wenn sie ihren Spass auf dem Bach haben oder auch mal über den Tellerrand hinausschauen. Dass immer weniger Leute einen Wurfsack dabeihaben, geschweige denn überhaupt wissen, wie so etwas funktioniert, daran habe ich mich gewöhnt und kalkuliere es mit ein, wenn ich eine Befahrung mache, dass aber objektiv lebensgefährliche Situationen wochenlang von allen ignoriert werden, ist mir doch ziemlich neu. Oder ist das die neue Art des „New School Kayaking“ und ich bin einfach nur ein Old Schooler?
Jan-Peter |