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Indoorkayaking in Erlebnisbädern
geschrieben von Jan-Peter, erstellt am 30.11.1999

Reportage über Indoorkayaking in Erlebnisbädern

Paddeln im Winter ist meistens mit kalten Fingern, wenigen hellen Tagesstunden und Minustemperaturen verbunden. Mancher Paddler bleibt da lieber hinter dem Ofen sitzen, schaut sich ein Paddelvideo bei einer Tasse heißem Tee an und macht sich warme Gedanken von sommerlichen Wildwasserabenteuern.

Die Alternative für viele Paddler heißt im Winter Ski- oder Snowboardfahren und Krafttraining im Fitnessstudio.

Was viele nicht wissen oder noch nicht ausprobiert haben: Auch im Winter bei Minustemperaturen kann man im Wildwasser seinen Spaß haben und muß dazu nicht extra nach Costa Rica oder Südafrika fliegen.


Soulboater Co-Founder Uwe

Analog zu Kletterhallen, in denen an Wänden mit künstlichen Griffen gebouldert werden kann oder auch Skihallen mit Kunstschnee gibt es bereits seit geraumer Zeit Möglichkeiten, im warmen Wasser unter Glas und künstlicher Sonne seinem Paddelvergnügen nachzugehen. Und das nicht nur im sterilen städtischen Hallenbad im 60er Jahre Stil sondern gerade auch in den modernen Erlebnisthermen, die überall wie Pilze aus dem Boden geschossen sind.

An vielen Orten im ganzen Land verstreut gibt es Freizeit- und Erlebnisbäder mit Wildwasserrutschen, Raftingkanälen und künstlichen Wellen, auf denen man als Besucher nicht nur mit dem Boot seinen Spaß haben kann.


J-P im Wellenbecken

Ein erster Überblick findet sich auf der Internetseite www.wasserratten.info/

Wohl jeder Paddler findet in dieser Übersicht ein Bad in seiner Nähe und nach seinen Wünschen. Eines sei aber gleich vorweg gesagt: Auch ohne Boot lohnt sich der Besuch dieser künstlichen Waterparks auf alle Fälle!

Wir wollen aber herausfinden, auf welche Art sich die Attraktionen dieser Bäder auch mit dem Kajak nutzen lassen und besuchen deshalb im Laufe der nächsten Zeit mit regionalen Testteams einige dieser Wellness-und Freizeitoasen, um sie euch vorzustellen. Besonders interessant für den Kajakfahrer sind in diesen Bädern neben den Kunstwellen die Riesenrutschen.


Christoph Hesse aus Österreich

Bei der Auswahl der Rutschen und der Beurteilung auf ihre Befahrbarkeit sind einige Dinge zu beachten, auf die jetzt näher eingegangen werden soll:

Grundsätzlich sollte das Boot der Rutsche angepasst sein, d.h. enge Röhrenrutschen sollten nur mit Rundbodenschiffen wie z.B. dem Topolino befahren werden, dessen Unterschiff dem Profil der Röhre am besten angepasst ist.

Verwendet man ein modernes Flachbodenkajak, ist es in engen Röhrenrutschen durchaus wahrscheinlich, dass das Boot mit seinen Kanten auf den Seiten der Röhre aufliegt und das auf die Rutsche gepumpte Wasser ohne Kontakt zum Boot einfach drunter her fließt. Dieser Effekt ist sehr nachteilig für die Befahrung der Rutsche, da das Boot nur dann richtig schnell wird, wenn es auf einem Wasserpolster ohne ständige Bodenberührung gleitet und dabei möglichst wenig Strömungsabrisse entstehen.

Umgekehrt ist für die Befahrung von größeren Raftingrutschen ein Flachbodenboot wesentlich besser geeignet, weil in dieser Rutschenversion die Wasserrinne flacher und breiter konstruiert ist, so dass ein Rundbodenboot zu stark punktuell aufliegen und bei der Befahrung durch hohe Reibung langsamer wird.

Bei der Befahrung selbst sind verschiedene Dinge zu beachten:

Wichtig ist, dass schon beim Einstieg darauf geachtet wird, dass sich keine anderen Badegäste im Auslauf der Rutsche befinden, die durch ein herunterrasendes Kajak überrascht und verletzt werden könnten.

Bei der Befahrung selbst steuert man das Boot wie bei einer Befahrung von Grundgesteinsrutschen mit dem Paddel.

Es sind dabei bevorzugt Konterschläge anzuwenden, weil für Ziehschläge in der engen Röhre selbst wenig Raum vorhanden ist. Fährt man in einem Zwischenbecken ins Kehrwasser, sind Ziehschläge natürlich sinnvoll und auch gut möglich, weil die Kehrwasser sich in der Regel nicht innerhalb der Röhrensektion befinden.

Bei der Fahrt aus der Röhre in das Ausstiegsbecken sollte vorher schon geprüft werden, ob die Auslaufzone des Beckens groß genug ist. Wenn das Becken eher klein oder sehr kurz ist, besteht sonst die Gefahr, dass man das Boot nicht rechtzeitig abgebremst bekommt und mit Speed in die Begrenzungswand einschlägt. Vermeiden lässt sich dieser Effekt durch Vorlage beim Eintauchen, wenn man aus der Röhre schießt, im Idealfall ein klassischer Meltdown, der sehr viel Fahrt aus dem Boot nimmt und dann auch gleich zu einem Cartwheel überleiten kann.

Ist das Ausstiegsbecken dagegen groß und geräumig, gibt es nichts schöneres als aus der Rutsche heraus zu boofen und wie ein flacher Stein übers Wasser zu springen.

Als Ausrüstung für Indoorrutschen eignet sich am besten ein möglichst kurzes Kajak. Auch einen Helm sollte man zur Sicherheit ruhig aufsetzen, weil es bei hohem Tempo in steilen gedrehten Röhren durchaus mal zu „Kenterungen“ kommen kann. Das Paddel sollte aus relativ weichem Kunststoff ohne Alukanten sein, wie überhaupt auch das Boot keine in irgendeiner Form hervorstehenden Metallschrauben haben sollte, die sonst unter Umständen das Material der Rutsche beschädigen könnten.

Werden diese Punkte beachtet, sollte einer erfolgreichen Befahrung der unterschiedlichsten Rutschenarten nichts im Wege stehen.

Jan-Peter

 

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