| Im zweiten Teil unseres Interviews mit Jensen geht es u.a. um Ratschläge für Anfänger, Lieblingsbäche, Motivplanung, Paddelbücher und...und...und...
- Wem der erste Teil nicht mehr in Erinnerung ist, sollte hier noch mal nachschauen, bevor es nun endlich weitergeht:
Martina: Was würdest du denn einem Anfänger raten. Was für ein Boot sollte der sich aussuchen?
Jensen: Also ein Spielboot würde ich nicht direkt gleich empfehlen. Ich finde lange Boote da schöner. Für Anfänger finde ich den Diesel (Wavesport) oder noch besser den Thunder von Riot nicht übel. Das sind Boote, die auch ne eine ordentliche Kante haben. Die fahren eine vernünftige Linie, das ist sehr wichtig für einen Anfänger.
In einem Spielboot lernen die Leute viel schwerer geradeaus fahren, weil die Dinger einfach nicht so laufen. Also lernen die Leute nie einen ordentlichen Geradeausschlag, weil das Boot das quasi verhindert oder erschwert.
Als meine Freundin Mira meinte, sie wolle paddeln lernen, hab ich sie als erstes mal gefragt: “Willst du wirklich paddeln oder nur mal so ein bißchen?“ Sie meinte, sie wolle es wirklich lernen, also waren wir zunächst mal nur auf dem Flachwasser unterwegs. Bringt nix, gleich die Rolle oder Kehrwasser fahren zu üben, man muss erst mal geradeaus fahren können.
Martina: Hast du auch so angefangen, auf Flachwasser?
Jensen: Ja, bin viel Flachwasser gefahren, auch ein bisschen Rennsport. Da lernt man einen ordentlichen Geradeausschlag. Das finde ich sehr wichtig.
Man sieht bei vielen Leuten, die mit einem Spielboot anfangen, dass sie zwar recht schnell cartwheelen können, aber wenn sie von A nach B paddeln sollen, wird’s schwierig. Deswegen: Zuerst Grundlagentraining!
Martina: Auch, damit man sich nicht die falsche Bewegungsabläufe angewöhnt, die man dann mühsam wieder korrigieren muss. Ich erinnere mich an meinen Kurs bei Jutta Kaiser und der Oberkörperrotation beim Paddeln. Hab mir immer eingebildet, ich bewege schon die Oberkörper mit beim Vorwärtsschlag – war aber nicht wirklich so…
Jensen: Naja, man braucht die Oberkörperdrehung ja auch nicht immer. Oft sind es ja nur einige Schlüsselschläge in einem Rapid, die über Sieg oder Niederlage entscheiden. Die müssen dann aber genau sitzen, denn auf die kommt es an.
Wenn du eine große Walze vor dir hast, dann musst du den Stock ganz nach vorne halten und voll durchziehen. In diesen Fällen kommt dann die alte Schule – das was du mal auf dem See gelernt hast – wieder durch. Das kann dann die Technik sein, die dir in einer brenzligen Situation den Arsch rettet. Deswegen an alle Anfänger: Fahrt nicht zu kurze Boote! (lacht).
Ich fahre momentan am Eiskanal nur Slalomboot, dass macht mir mehr Spaß. Das Boot läuft und man kann sich den Kanal rauf, und zumindest am Jugendkanal, auch wieder hoch bewegen – ohne zu tragen.
Wenn am Eiskanal jetzt eine Welle wäre, wäre das vielleicht auch anders, aber die Waschmaschine?? Ist mir viel zu anstrengend. Der Krummreich schimpft zwar immer, das ich zu wenig Spielboot fahre, aber die Waschmaschine? Ich weiß nicht…
Martina: Was hältst du denn davon z.B. mit einem Nano auf der Isel rumzupaddeln? Findest du so was gefährlich?
Jensen: Na, sagen wir es mal so: Mit Booten wie dem Nano kann man viel bessere Linien fahren als z.B. mit so einem Nomad oder so reinen Creek-Booten, die ein bisschen baumstammmäßig sind.
Das siehst Du ganz extrem bei Slalomfahrern. Die fahren extrem viel mit Kante, machen nur die Hälfte Schläge eines „Normalos“ und lassen das Boot und die Strömung arbeiten. Das kannst Du mit dem Nano eben auch machen und schönere Linien fahren.
Aber: Wenn jetzt Dein Kumpel schwimmt und sich bei Dir festhält, dann kriegst du wahrscheinlich Probleme, Reserven gibt es keine.
Es kommt halt auch sehr auf die Gruppe an, mit der du unterwegs bist: Wenn du mit einer Gruppe paddelst, die alle super fit sind und du auf keinen aufpassen musst, dann ist das kein Problem. Wenn du aber einen Anfänger dabei hast, der vielleicht mal schwimmt, dann ist sicher das größere Boot die bessere Wahl.
Ich würde jetzt niemandem raten schweres Wildwasser mit einem Spielboot zu fahren, aber so ein Nano ist schon noch ein Boot, das auch läuft. Der Sebbi Gründler ist mit seinem Nano alles gefahren, weil er mit dem Boot besser klar gekommen ist als mit dem Salto - er steht halt auf Kanten.
Ich brauche auch ein Boot, das Kante hat. Die Creekboote der letzten Jahre sind alle recht rund. Die haben ihre Vorteile, wenn du z.B. in steilem Gelände unterwegs bist.
Als ich damals den Nomad als Prototyp zur Probe gefahren bin, wollte ich aus dem ersten Kehrwasser fahren und bin umgekippt…tja, ich wollte auf die Kante und blubb… weg war ich. Wenn du Dich daran gewöhnt hast, ist das eine andere Sache.
Martina: Wenn du mal noch Zeit hast, so privat zu paddeln, wo fährst du dann am liebsten hin?
Jensen: Also rein „privat“ paddeln passiert selten. Ich überlege vorher schon immer, ob ich von dem möglicherweise zu paddelnden Fluss Bilder brauche.
Letztens war ich an der Ubaye, eigentlich ohne festen Auftrag. Da dachte ich: “Paddeln, mit Kamera, kein Bock.“ Naja, hab dann doch die Kamera mitgenommen, denn da kommt ja dieser hammergeile Wasserfall rein.
Am Wasserfall war dann einfach alles perfekt: Regenbogen drüber, Superwetter, Schäfchenwolken am Himmel. Dafür hat es sich dann wieder gelohnt.
Aber dann musste ich halt den Rest der Strecke (Anmerkung der Redaktion: 90 % der Tour) mit der Kamera zwischen den Füßen fahren, da biste dann nicht so ganz entspannt. Zum einen wegen der Kamera, die kaputtgehen könnte, aber zum anderen halt auch die Bedenken, dass wenn du dich irgendwo verkeilst und hast die Kamera zwischen den Füßen.
Tja, wenn du locker bleibst, ist das theoretisch kein Akt, greifst dir das Ding, ziehst es raus, dann kommst du locker aus dem Boot, aber wenn dir die Box vorne ins Boot rutscht und du kriegst die Panik, dann kommst du nicht mehr raus.
Aber manchmal kommt es schon noch vor, dass ich die Kamera nicht mitnehme, nur um das Gefühl zu haben, einfach mal ohne Druck zu fahren und diesen YEAH zu kriegen. Das passiert bei mir nie mit Kamera. Mit der fahre ich einfach viel vorsichtiger und werde auch nie richtig warm.
Martina: Und wenn du dann ausgerechnet mal „ohne“ fährst und siehst DAS Motiv?
Jensen: Naja, das ist dann halt so. Hat es schon oft gegeben. Hat aber auch schon dazu geführt, dass ich dann irgendwann später an diese Stelle gefahren bin um gezielt zu fotografieren.
Ist auch allgemein so: Manchmal fährst du einen Bach morgens, denkst aber, dass es bildertechnisch viel schöner wäre, den Bach am späten Nachmittag zu fahren. Mit dem Hammermotiv in der Abendsonne.
Manchmal kommst du dann aber auch erst zwei Jahre später wieder an diese Stelle, dann fährst du es halt gezielt am späten Nachmittag mit Kamera und fotografierst die Motive, die du dir zwei Jahre vorher ausgeguckt hast.
Martina: Also Motivplanung schon beim „Einfach-so-paddeln“?
Jensen: Ja, klar. Wann hab ich wo welches Licht, wo ist die beste Kameraposition? Das geht mir immer durch den Kopf, auch wenn ich keine Kamera dabei hab. Man schaut schon, dass man das Foto so wie man es will, dann auch wirklich kriegt. Das bedarf manchmal etwas Planung.
Martina: Machst du Dir da irgendwelche schriftlichen Notizen, z.B. Ubaye Schleierwasserfälle am besten im Herbst um 17:00 Uhr oder so?
Jensen: Nee, das läuft nur in meinem Kopf ab. Aber das sind auch Dinge, die mich sowieso nicht loslassen. Zum Beispiel das mit der Ubaye. Da war ich 2001 das erste und letzte Mal. Hatte den Bach aber noch im Kopf und bin wegen der Wasserfälle dann eben jetzt noch mal hingefahren. Während der 6 Jahre habe ich nie über den Bach wirklich nachgedacht, aber dann ist direkt alles wieder präsent, wenn man sich an ein bestimmtes Bild erinnert.
An der Salza war ich z.B. letztes Jahr, an Ostern. Es war schönes Wetter, Wasserstände super, aber: Noch kein Blatt am Baum. War alles einfach nur trist und öde. Trotz schönem blauen Himmel und schöner Wasserfarbe. Alle Panoramo-Fotos waren für’n Arsch.
Dann halt weniger die Umgebung fotografieren, als mehr die Paddler selber. Ein paar lachende Gesichter, Sandbankpicknicken und so was. Das ist ja auch ganz wichtig.
Wenn du einen Artikel machst über die Salza, dass du sowohl die schöne Landschaft, ein bisschen Action, aber auch Leute, Gesichter fotografierst. Erst damit wird der Artikel wirklich gut. Darauf legt das Kanumagazin sehr viel wert. Da würde ein Artikel, bei dem du nur Wasserfallfotos hast, aber keine Leute und Umgebung, nicht genügen.
Martina: Hast du denn noch so was wie einen Lieblingsbach oder eine Lieblingsgegend, wo du theoretisch einfach so paddeln gehen würdest?
Jensen: In näherer Umgebung: Lofer. Ansonsten: Norwegen. Dieses Jahr ist es das erste Mal seit acht Jahren, dass ich nicht nach Norwegen zum paddeln gefahren bin. Einfach, weil ich keine Zeit hatte. Aber andere Sachen waren halt einfach grade dringender.

Martina: Was für andere Sachen sind das denn so?
Jensen: Also zum einen bin ich zwei Tage die Woche beim Kanumagazin. Für die mache ich die Bildredaktion. Und dadurch, dass das KM nun in der Saison öfter kommt, war da viel los.
Außerdem machen die Jungs für Globetrotter das Kundenheft „4Seasons“ und ein Ski-Magazin "planet SNOW". Das ist die eine Hälfte. Die andere Hälfte sind Grafik-Sachen: von Visitenkarten über Poster bis zum Katalog mache ich so ein paar Sachen.
Das hab ich zum Beispiel gerade für das LaOla Sportcamp gemacht. Ich arbeite da eng mit dem Hans Mayer zusammen, der schon von vornherein weiß, bei welchen Projekten ich ihm helfen kann. Ihm verkaufe ich dann so ein Gesamtpaket aus Texten, Bildern und Grafik.
Das mache ich komplett, als druckreif für die Druckerei. So hat der Hans damit keinen Stress. In Frankreich habe ich noch einen Kunden SND, einen Kajak-Shop. Für die habe ich gerade ein kleines Team-Shooting gemacht und jetzt mit den Bildern einen Katalog.
Die Bilder an Magazine in der Kajakszene zu verkaufen ist eher schwierig. Es gibt meist nur kleine Magazine, die eher schlecht bezahlen. Das soll kein Vorwurf sein, die haben eben nicht viel Geld – aber es lohnt sich eigentlich nicht, die Bilder für den Preis zu verkaufen.
Worauf ich Wert lege ist, den Paddelsport nach außen zu tragen. Da gibt’s zum Beispiel das Peak-Performance-Magazin. Das ist ein ganz edles Teil, doppelt so dick wie das Kayak-Session und sehr edel aufgemacht.
Als ich das das erste Mal gesehen hab, dachte ich schon, dass ich da gerne mal ein Bild drin hätte. Und die haben dann letztes Jahr tatsächlich 10 Seiten über Norwegen gemacht – mit meinen Bildern.
Das sind Sachen, die man als normaler Paddler gar nicht so mitgekriegt hat. Aber so etwas wird einfach viel besser bezahlt und hilft auch, den Sport nach außen zu tragen. Das ist dem normalen Paddler vielleicht wurscht, aber für die Industrie und für den Sport und seine weitere Entfaltung wichtig.
Klar sagt der normale Paddler: “Mach mal nicht so viel Werbung für den Sport, dann kommen noch mehr Paddler an die Soca“, aber alle die davon versuchen zu leben, die Industrie oder die, die von der Industrie gesponsort sind, sind sehr interessiert an einer weiteren Verbreitung und Bekanntmachung des Sports.
Martina: Also erleidest du gerade das Schicksal der armen Paddler, die aus finanziellen Gründen ihre Leidenschaft aufgeben müssen…
Jensen: Klar, irgendwann musst du dich mal entscheiden, was du weiter in deinem Leben machen willst: Lehramt studieren, schön brav als Lehrer arbeiten oder versuchen, dein eigenes Ding zu machen.
Aber Halli-Galli-Drecksau-Party ist das halt auch nicht. Es ist sicher momentan mehr Arbeit für mich als bei einem „normalen“ Job. Aber dadurch, dass genau diese Arbeit mir Spaß macht und ich mein eigener Chef bin - außer beim Kanumagazin - ist das schon in Ordnung.
Martina: Immerhin hat deine Arbeit ja auch komplett mit deinem Thema zu tun: Paddeln
Jensen: Naja, aber es wird auch mal langweilig. Vieles wird über die Jahre zum Standard und hat bei mir auch dazu geführt, dass ich viel mehr Ski fahren war (und fotografieren).
Wenn ich mir in dem Bereich einen Namen machen könnte, könnte ich davon vielleicht von der Fotografie leben. Einfach weil der Ski- und Outdoor-Markt viel größer ist.
Wenn man 100,- Euro pro Magazinseite u. -Bild bekommt, ist das als Student schön, aber wenn man davon leben will... Der Aufwand, der mit den Bildern verbunden ist, ist einfach zu hoch.
Manchmal wollen sie dich dann mit einem Paddel bezahlen oder so – nee, das ist es einfach nicht mehr. Paddel kann man nicht essen. Aber klar kann ich die Industrie verstehen, dass mit dem Paddeln nicht viel Geld zu verdienen ist und sie also auch nicht viel zahlen können.
Martina: Also Paddeln zum Massensport machen?
Jensen: Leute wie der Olaf tragen sehr dazu bei, den Sport bekannt zu machen, z.B. mit Events wie der Sickline-WM oder den Filmen. Du brauchst einfach Leute, die was machen. Leute wie den Schorschi zum Beispiel.
Aber ein Breitensport wird Wildwasser nie werden. Dafür ist Paddeln zu schwer zu betreiben und zu schwer nachzuvollziehen. Im Moment ist für mich sogar leider so, dass wir uns in einer echt langweiligen Phase befinden, wo nicht viel passiert.
Mittlerweile sind sogar die Freestyler langweilig geworden. Die machen derartig komplexe Moves und haben sich derartig weit vom Normalpaddler entfernt, dass es auch schon langweilig geworden ist. (Oder bin ich einfach zu alt?)
Als ich auf meinem ersten Rodeo war, waren Boote wie den Riot Hammer aktuell.
2,70 Meter lang!
War damals ein total radikales Spielboot. Das sah noch geil aus, wenn der Olli damit 10 Enden gemacht hat. Da hat auch jeder Nichtpaddler dagestanden und fand das geil.
Und jetzt: Krummreich, hammergeiler Paddler, macht irre Sachen, aber du stehst daneben und fragst dich: “Äh, war das jetzt Absicht..?“ Klar, macht der das absichtlich, aber umhauen tut mich das nicht wirklich.
Ich weiß, wie schwer das ist, Respekt dafür, aber wenn ich mich in jemanden reinversetze, der mit dem Paddeln nichts zu tun hat, der sieht da gar nichts. Beim Radfahren ist das was anderes, da machen sie Backflips mit dem Rad und die Leute findes geil – das versteht jeder, weil jeder schon mal Radgefahren ist.
Beim Wildwasser, gut, da wird immer mal wieder ein Meter bei einem Wasserfall draufgelegt, das bringt’s dann irgendwann auch nicht mehr und den Sport nicht weiter.
Ich fände es viel geiler, wenn man wieder mehr Spaß in den Sport bringen könnte.
Ich war immer eher für die Freeride-Variante zu haben. Das fehlt mir in der Szene so im Moment. Es geht hauptsächlich nur noch um Erstbefahrungen und irgendwelche Expeditionen – Richtungen, die mich nicht so interessieren, sondern eher langweilen.
Martina: Also doch mehr Snowkajak?
Jensen: Klar, das kommt bei den Nichtpaddlern gut an, wobei ich aber sage: Paddeln mit Boot auf Wasser, Skifahren mit Ski im Schnee.
Wenn schon Snowkajak, dann im Pulverschnee, wo man weich landet. Bei der WM in Lienz im Februar war die Piste steinhart und vereist. Da können schon 30 cm reichen, um dir einen Wirbel anzubrechen. Deswegen sehe ich das Ganze so ein bisschen skeptisch.
Wir sind damals – Bernie hat ja bei der Bergbahn gearbeitet – bei super Schneebedingungen snowkajaken gegangen, aber da musst du schon drauf hinarbeiten, solche Verhältnisse zu haben.
Auf so einer beinharten Piste kannst du dich aber einfach zu leicht verletzen. Mit 16 denkst du darüber nicht nach, mit 18 vielleicht auch noch nicht, aber mit 25 langsam dann doch mal.
Martina: Apropos echt geil: Sickline WM 2008: Machst du mit?
Jensen: Ich fotografiere. Hab mich insofern aus dem Sport zurückgezogen. Ich will gar nicht mit denen tauschen, die da fahren.
Aber davon abgesehen war ich auch noch nie ein Wettkampftyp. Ich bin auch noch nie ein Rodeo gefahren. Nur zwei, drei Extremrennen mal. Aber alles, wodurch ich mir einen Namen gemacht habe, waren andere Sachen.
Martina: Du hast einen erkennbar eigenen Stil, das ist sicher.
Jensen: Mich befriedigt extrem, wenn ich eine schöne Linie fahre.
Selbst wenn das nur ein Wildwasser IV-Katarakt ist, aber wenn ich da eine schöne Linie sehe und die dann auch fahre, befriedigt mich das mehr, als wenn ich eine Erstbefahrung machen würde, wo ich dann halb kopfüber unkontrolliert runterfalle und unten rückwärts, rollend ankomme.
Martina: Wie sehen denn deine Projekt für die Zukunft aus, abgesehen vom Paddeln?
Jensen: Wenn ich ehrlich bin, hab ich eigentlich keine. Ich möchte im Moment eigentlich nur meine aktuellen Projekte fertigkriegen. Zum Beispiel Painkillers,


damit habe ich über fünf Jahre herumgemacht. Erst einen Film, dann den zweiten, den dritten und so weiter.
Anfang des Jahres haben wir es dann endlich mal geschafft, die auf DVD zu packen. In Zeiten des Internet nicht wirklich wirtschaftlich, aber das musste einfach noch passieren.
Eigentlich will ich einfach mal so wenig zu tun haben, dass ich mich richtig langweile...
Große Pläne? Na vielleicht mal Norwegen Teil II, bzw. eine Neuauflage.
Und halt mein Bestreben, mich auch „außen“ zu etablieren. Aus dem Grund, weil man mit dem, was ich mache, alleine in der Kajakszene nicht leben kann. Als Teil schon, aber als Wildwasserfotograf allein nicht mal im Ansatz.
Martina: Was hältst du denn davon Bücher rauszubringen wie z.B. „Pleiten, Pech und Pannen“ im Kajaksport?
Jensen: Naja, Bücher, ich weiß nicht. Dafür brauchst du schon eine gewisse Auflage, sonst macht das keinen Sinn.
Wenn du zu so einem Thema 5000 Bücher auf deutsch machst, dann behaupte ich mal, kriegst du maximal 500 davon verkauft. Kommt halt auch auf den Preis an.
Sowas könntest du eventuell für 5,- EUR als kleine Geschenkidee verkaufen, aber wenn so was 30,- EUR kostet, dann kauft das keiner. Die kaufen sich ja noch nicht einmal den Norwegen-Führer. Sowas kauft einer im Verein und der Rest kopiert es sich…
Martina: Aber das Soca-Buch von Manuel Arnu hat sich doch ganz gut verkauft?
Jensen: Klar, aber das Thema Soca ist halt auch bekannt.
Aber ich glaube, er hat auch im ersten Jahr ca. 1.000 Stück verkauft. Das hatte ich mit dem Norwegen-Buch auch im ersten Jahr. Aber mein Buch war auch in deutsch und englisch, Manuels Buch gab es nur auf deutsch. Die Soca ist aber halt auch kein Extrembach und viel befahren, also kannst du ein Buch darüber auch besser verkaufen als eines über ganz Norwegen.
Sinnvoll sind solche Bücher wie das von Matthias Breuel über die Nordalpen (Redaktion soulboater: "Wildwasserführer Nordalpen", bei Interesse zu bestellen beim Pollner-Verlag direkt oder bei amazon).
Das ist ein Buch, in dem man als Paddler auch noch neue Sachen finden kann und detaillierte Infos bekommt. Hatte ja auch schon mal die Idee, so aus River-Gods ein Buch zu machen, aber letztendlich habe ich nicht geglaubt, dass sich so was verkauft.
Martina: Schade, dass dieser Wirtschaftlichkeitsaspekt überall so im Vordergrund steht, war ja auch mit ein Grund dafür, dass z.B. Necky die Spielbootproduktion eingestellt hat…
Jensen: Ja, schade drum, waren geile Boote.
Prijon macht auch keine neuen Spielboote mehr, das rechnet sich einfach nicht.
Die Firmen fahren besser mit Wanderbooten und Allroundern. Hat sich auch nachteilig ausgewirkt, dass Firmen wie Wavesport und Dagger von großen Konzernen aufgekauft wurden, die dann mit großem Budget unheimlich Druck auf den Markt ausgeübt haben. Da bleiben dann auch mal ursprüngliche Paddelfirmen auf der Strecke.
Martina: Jedes Jahr ein neues Spielbootmodell, man hat ja bald schon nicht mehr durchgeblickt..
Jensen: Einen Gefallen haben sie sich damit nicht wirklich getan. Der Markt ist viel zu schnell und ungesund gewachsen.
Den „Normalpaddler“ hatte man eine ganze Zeit lang „vergessen“ und im Moment ist jetzt wieder der Diesel das meistverkaufte Boot von Wavesport.
Wenn man überleben will, ist halt mainstream ganz wichtig. Das ist aber auch das Schöne bei meiner Arbeit. Ich kann einerseits sagen, ich mache den mainstream mit und schreibe Berichte über die Salza, kann aber auch z.B. für paddle-people ein Foto-Spezial

machen, mit Bildern drin, die nicht ins Kanumagazin kommen, weil sie da nicht so ganz reinpassen würden.


Klar, die Standard-Salza-Fotografie ist immer noch besser als U-Bahn-Toiletten zu putzen.
Martina: Welche Programme nutzt du denn zur digitalen Bildbearbeitung?
Jensen: Bridge und Photoshop. Photoshop für die Bildbearbeitung, Bridge für die Bildverwaltung.
Martina: Teure Software…
Jensen: Ja, 2.500,- EUR für die Programme und 3.500,- EUR für meinen Rechner habe ich Anfang diesen Jahres investiert. Das musst du erst mal wieder mit Bildern reinholen.... und du willst ja irgendwann auch noch mal Gewinn machen…
Martina: Du hast gesagt, dass du in letzter Zeit zum Skifahren- und zur Skifotografie tendierst. Ist das ein großer Unterschied zur Kajakfotografie?
Jensen: Eigentlich nicht wirklich. Wenn man den Sport liebt – und Skifahren ist ein total geiles Ding, da bin ich voll drauf – dann kriegt man das auf den Bildern auch rüber.
Wenn du das Ganze auch selbst machst, kannst du eher einen Schritt weitergehen und kommst noch auf bessere Ideen, den Sport im Bild umzusetzen.
Ist ganz witzig, im Moment hab ich die Paddelsaison schon abgehakt – nach Norwegen fahre ich ja auch nicht mehr – eigentlich kann man die Boote jetzt in den Keller bringen, denn jetzt denke ich schon ans Skifahren.
Martina: Wir haben Anfang August….??
Jensen: Doch echt.. Ich denke echt jetzt schon an die Skisaison und daran, welche Fotos aus der letzten Saison ich besser machen könnte. Stellen, die geil waren, wo man aber noch mehr rausholen könnte.
Es ist selten, dass du irgendwo hinkommst und – klick – Hammershot. Wichtig ist aber auch, dass du mit zunehmender Erfahrung nicht nur als Fotograf denkst, sondern auch als Magazin, bzw. als Kunde. Du kannst dich viel besser in die Kunden hineinversetzen, weißt, was sie für Bilder brauchen und dann auch entsprechend fotografieren.
Martina: Na hoffentlich gibst Du das Paddeln nicht doch noch zugunsten des Skifahrens dran, das wäre echt schade! Vielen Dank für das Interview Jensen, und viel Spaß weiter bei der Hochzeitsfeier…

Interview: Martina
Fotos: Archiv Jens Klatt, Claus Suchanek, Michi Neumann, Ansgar Linder, Uwe Fischer, Jan-Peter Reichardt |