| Frühjahr im Taurusgebirge Teil 1
In diesem Frühjahr war die Auswahl der Bäche für den Saisonstart besonders groß. Sowohl die Alpen als auch Korsika lockten und locken mit außergewöhnlichen Schneehöhen. Derweil war jedoch auch die Situation an der türkischen Mittelmeerküste äußerst günstig. Zusätzlich gab es da noch einen Artikel zum Revier rund um Antalya, der 2003 im Kanumagazin erschienen war und der uns schließlich dazu veranlasste, dort unser Glück zu versuchen. Und eines sei schon vorweg verraten: Die Verheißung eines Paddeltrips der Superlative hat sich in allen Punkten erfüllt. Manches mal wurden unsere Erwartungen sogar übertroffen.

Unser Riverguide Serkan
Am Gründonnerstagabend hatten wir uns am Flughafen von Antalya mit Serkan Konya verabredet, einem der besten türkischen Wildwasserpaddler und in der Sommersaison hauptberuflich Raftguide. Gleich nach der Ankunft ging es flugs in die nächste Köftebar, um erstmal eine Riesenportion türkische Buletten mit Salat und Fladenbrot zu vertilgen. So gestärkt fuhren wir weiter zum Köprücay. Da die Raftingsaison glücklicherweise noch nicht richtig begonnen hatte, konnten wir ohne weiteres auf der Medraft-Basis übernachten.

Die Med-Raftbasis am Köprücay
Der erste Morgen begann mit einem typischen türkischen Frühstück, bestehend aus Oliven, Gurken, Tomaten, Frischkäse, hart gekochten Eier, Weißbrot und natürlich Cay, schwarzem Tee, der in einer speziellen Kanne zubereitet wird und den der Einheimische nie ohne Zucker genießt. Zum Einpaddeln sollte der Köprülü-Canyon in Angriff genommen werden. Der Nebenbach, über den man den Köprücay erreicht, versiegt normalerweise im Sommer. Bei uns war er gut eingeschenkt, so dass wir die 500 Meter zur Mündung paddeln konnten. Der Katarakt am Ende stellte einen netten Auftakt dar, bevor es in den ersten wuchtigen Katarakt des Canyons ging. Die folgenden, aus der rechten Felswand entspringenden Karstquellen sind Pflichtprogramm für jeden Türkeipaddler und finden in Europa nur auf dem Balkan ihres gleichen. Die anschießende Raftstrecke war lediglich am Anfang ein wenig wuchtiger, der Rest entpuppte sich als eine Abfolge von Flachstücken, großen Kehrwässern, scharfen Verschneidungen und einigen Playspots. Bei etwas weniger Wasser dürften sich hier auch Anfänger wohlfühlen.

Der Cay-Nachschub ist gesichert
Den zweiten Tag gingen wir ebenfalls locker an. Der obere Köprücay erwies sich als landschaftlich außerordentlich schönes, leichtes Wildwasser, das selten den zweiten Schwierigkeitsgrad überstieg. Keine Uferverbauung oder Autobahn störte die Idylle. Nur der Anblick einer am Ufer weidenden Ziegenherde und die vereinzelte Spitze eines Minaretts erinnerten uns daran, das in unmittelbarer Nähe Menschen wohnten. Am Eingang der folgenden Klamm setzten wir aus. Bei nicht allzu viel Wasser ist eine Weiterfahrt möglich. Allerdings müssen dann zwei Siphone am Schluchtende mühsam umtragen werden, bevor ein gänzlich unfahrbares Teilstück zum Fahrtabbruch zwingt. Den Tag beschlossen wir mit einem zünftigen Essen im besten Restaurant am Fluss. Die dort kredenzte Forelle in Weinblättern ist ein Gedicht und schickt sich an, der bekannten Socaforelle ernsthaft Konkurrenz zu machen.

Auf dem oberen Köprücay

Typisches türkisches Bergdorf
Am nächsten Morgen fuhren wir zeitig nach Antalya, um einen weiteren Mitpaddler am Flughafen einzusammeln. Dabei fiel uns erneut die unkomplizierte Lebensweise der Türken auf. So erregt weder der Verkauf von Orangen auf der Standspur noch die freie Auslegung der Ampelfarben oder die Benutzung eines Motorrollers zu dritt Anstoß bei den Verkehrsteilnehmern. Improvisation ist auch sonst ein gerne beherzigtes Motto. Wenn das Gemüse im Laden ausgegangen ist, stellt dies keineswegs ein Problem dar. Schließlich gibt es noch den privaten Garten hinter dem Haus und ein paar Tomaten sind schnell geerntet.

Das Trinkwasser kommt direkt aus dem Berg

Unser Quartier am Manavgat
Von Antalya aus ging es in Richtung Manavgat. An Ibrahims bekanntem Forellenrestaurant angekommen, mussten wir feststellen, dass das Hochwasser der letzten Wochen keineswegs abgeflossen war. Immer noch standen die Bäume unterhalb des Restaurants mitten im Fluss. Selbst die leichteren Zwischenstücke hatten es in sich. Glücklicherweise gibt es einen Oberlauf, der viel Wasser verträgt. Am nächsten Morgen entschieden wir uns deshalb ohne Umschweife, es auf dem westlichen Quellbach des Manavgat zu versuchen. Glasklares türkisfarbenes Wasser empfing uns. Aus einer Karstquelle kam weiterer Zuschuss, so dass wir schnell 15 cbm/sek. unter dem Kiel hatten. Nach einigen Kilometern Fahrt in offenem Flussbett, grub sich der Fluss in einer Schlucht aus hellem Kalkgestein ein. Trotzdem gingen die Schwierigkeiten fast nie über WW III hinaus, zwei Stufen waren WW IV, eine Stelle umtrugen wir. Insgesamt gesehen stellt dieser Abschnitt einen der schönsten Abschnitte im Tal des Manavgats dar, der zudem eine gute Alternative ist, wenn Mittel- und Unterlauf Hochwasser führen. Gleiches gilt für den östlichen Quellbach des Manavgat, der technisches WW IV mit einer etwas anstrengenderen Umtragung bietet.

Viel Wasser auf dem oberen Manavgat

Auf dem westlichen Quellbach des Manavgat

Sonne und türkises Traumwildwasser - Pascal hat Spaß

Mittelschweres Wildwasser auf dem westlichen Quellbach des Manavgat

Östlicher Quellbach des Manavgat kurz vor dem Zusammenfluss
Hier geht ´s zur Forsetzung: http://www.soulboater.com/de/news/reports/article/651/ |