Das kleine Abenteuer vor der Haustür
Der Namloserbach
Wenn am Lagerfeuer über die Zuflüsse des Lechs gesprochen wird, dann fällt immer wieder ein Name: Namloserbach. Kaum jemand ist ihn gepaddelt, trotzdem gilt er allgemein als ein wahrer Horrortrip, um den man lieber einen weiten Bogen macht. Aber wie heißt es so schön: „In der Not frisst der Teufel Fliegen!“ Als wir dieses Jahr zu Ostern wie viele andere auf der Suche nach Wasser waren, kamen wir irgendwann auch im Lechtal vorbei. Die Beschreibung des Namloserbach im DKV-Führer klang zwar nicht besonders einladend, aber das Wetter präsentierte sich von seiner sonnigsten Seite und der Pegel in Stanzach zeigte den empfohlenen Maximalwasserstand von 50 cm an.





Kurzentschlossen setzten wir also vor der Klamm an der Mündung des Sommerbergbaches ein. Leider folgte schon gleich nach dem Start die erste Portage, da uns ein komisches Eck mit Unterspülung nicht gefiel. Diese Passage ist jedoch bei entsprechendem Wasserstand und ohne Holz sicherlich fahrbar. Die folgende Niedrigklamm umtrugen wir gleich mit, da hier zwei Wurzelstöcke die Durchfahrten versperrten. Im Anschluss erwarteten uns mehreren Kilometern in einer abwechslungsreichen Schlucht mit längeren Klammabschnitten. Die technischen Schwierigkeiten entpuppten sich als eher moderat, allerdings sorgten die unbegehbare Ufer in Verbindung mit überraschend auftauchenden Baumhindernisse gelegentlich für sportliche Einlagen. Um uns zu vergewissern, dass wir nicht in irgendeinem Verhau hinter der nächsten Kurve enden würden, kletterten wir einige Stellen ab. Bei unserer Befahrung waren die entscheidenden Passagen glücklicherweise frei. Auch der im Paddelführer angekündigte Drahtverhau und die Reste eines Gittermastes waren gut zu umfahren. Trotzdem verspürte jeder von uns eine gewisse Anspannung. Bei höheren Wasserständen wäre das Anhalten vor einigen Hindernissen wohl nicht mehr möglich.




Unterhalb eines Fußgängersteges, so heißt es im Flussführer, folgt der technisch schwierigere Teil des Flusses. Und tatsächlich beglückte uns der Namloserbach bald darauf mit steilen Katarakten und engen, verklemmgefährlichen Schlitzen. Obwohl wir ab und zu unsere Boot schulterten, erwiesen sich die meisten Stellen als durchaus fair. Hinzu kam, dass sich das Ganze in einer wirklich beeidruckenden Schluchtlandschaft abspielte, was die Angelegenheit trotz der körperlichen Strapazen durchaus genießbar machte. Hinter jeder Kurve vermuteten wir das Ende der Schlucht, aber kaum wichen die Felswände ein wenig zurück, folgte auch schon die nächste Engstelle. Irgendwann erblickten wir jedoch die Berge auf der gegenüberliegenden Seite des Lechtals und so konnten wir uns auf dem letzten Kilometer bereits auf das Schnitzel nach vollbrachter Tat freuen. Es empfiehlt sich übrigens nicht bis zum Pegel zu fahren, sondern schon direkt am Ausgang der Schlucht auszusetzen, da mehrere mit senkrecht einrammten T-Trägern armierte Wehre folgen.




Kurzbeschreibung Namloserbach
Einsatzstelle: am Klammeingang vor der Mündung des Sommerbergbaches
Aussatzstelle: einen Kilometer oberhalb des Ortszentrums von Stanzach
Pegel: in Stanzach, 50 cm sind optimal
Charakter: unzugängliche Schlucht mit langen Klammabschnitten, vielen Zwangspassagen, kleineren Stufen, im unteren Teil mehrere steile Katarakte mit klemmgefährlichen Schlitzen und vereinzelten Unterspülungen
Schwierigkeiten: WW IV-V (V, X) 4/C
besondere Gefahren: unerwartet auftauchende Hindernisse, insb. Baumverhaue, zu hoher Wasserstand
Text: Nils Kagel, Fotos: Florian Zaczek |